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Wundinfektionen: Ursachen und Vorbeugung

Postoperative Wundinfektionen (engl.: Surgical-site infections oder SSIs) stellen eine typische, in letzter Konsequenz unvermeidbare Komplikation nach gynäkologischen Eingriffen dar. Das Center for Disease Control in den USA definiert SSI als “eine Infektion im Zusammenhang mit einer operativen Prozedur, die bei oder in der Nähe der chirurgischen Inzision innerhalb von 30 Tagen auftritt.”

Neben der Suche nach Faktoren, die das Entstehen von Wundinfektionen begünstigen und möglicherweise verbessert werden können, suchen gynäkologische Operateure auch nach weiteren Möglichkeiten, um die Zahl der Wundinfektionen zu vermindern. Eine aktuelle Zusammenfassung der vorliegenden Untersuchungen zu diesem Problem wurde 2017 veröffentlicht. Die durchgeführten Studien zeigen, dass die Kombination mehrerer in ihrer Wirkung gesicherter Maßnahmen voraussichtlich einen größeren Einfluss hat als die Beschränkung auf eine einzelne Intervention.
Maßnahmen, die sich in den Untersuchungen als wirksam erwiesen haben, sind die rechtzeitige Verabreichung von entsprechend ausgewählten prophylaktischen Antibiotika, die Verwendung eines Präparats auf Chlorhexidin-Alkoholbasis zur Haut- und Schleimhautdesinfektion, die Verwendung von gewebeschonendem Nahtmaterial für die Hautverschluss und die Aufrechterhaltung der Blutzuckerkontrolle in der postoperativen Phase. Mehrere Interventionen, einschließlich der Verwendung von präoperativen Chlorhexidin-Duschprotokollen und ein universelles präoperatives Screening auf spezielle Bakterien, sowie die Naht des subkutanen Gewebes sind nach wie vor umstritten und nur von fraglichem Wert.

Gynäkologische Operationen, besonders Entfernungen der Gebärmutter, setzen das Wundgebiet mit einer Besiedelung durch eine Vielzahl von körpereigenen (endogenen) Bakterien aus, z.B. Keime der Haut und der Scheide. Präoperative Risikofaktoren (z. B. Übergewicht, vorausgegangene Operationen) können kaum beeinflusst werden. Es gibt nur wenig verlässliche Erkenntnisse darüber, welche Maßnahmen wirklich zur Prävention geeignet sind.

Präoperativ
Traditionell wurde das Schamhaar vor der Operation entfernt, um das Risiko von Wundinfektionen zu reduzieren. Allerdings zeigten 6 Studien mit 972 Patienten, dass keine statistisch signifikanten Unterschiede in den Wundinfektionsraten bestand, gleich ob mit oder ohne Haarentfernung. Im Gegenteil fand sich sogar ein größeres Risiko von Wundinfektionen nach der Haarrasur als nach einer Kürzung der Haare.
Der MRSA-Keim (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) wird ein zunehmend als Erreger bei Wundinfektionen nachgewiesen. Häufig haben Patientinnen den Keim bereits bei früheren Hospitalisierungen, beruflicher Exposition oder in Pflegeheimen übernommen. Die Literatur zur MRSA-Dekontamination vor der gynäkologischen Eingriffen ist begrenzt; Insgesamt scheint es, dass die Auswirkungen des MRSA auf Eingriffe in einem sterilen Wundgebiet beschränkt sind, während gynäkologische Operationen oft in einem bakteriell kontaminierten Gebiet erfolgen. Dennoch führen wir zur Sicherheit bei Risikopatientinnen vor der stationären Aufnahme ein universelles Screening auf MRSA-Besiedelung durch.

Intraoperativ
Mehrere Studien haben gezeigt, dass Patienten, die sich einer laparoskopischen Hysterektomie unterziehen, nur etwa halb soviele Infektionen haben, wie nach klassischen Operationen mit Bauchschnitt.
Die präoperative Antibiotika-Prophylaxe ist für alle Hysterektomien Standard. Die bevorzugte Option ist eine Einzeldosis eines β-Lactam-Antibiotikums, am häufigsten Cefazolin 1-2 g intravenös.
Die Wahl einer Chlorhexidin-Alkohol-basierten Hautdesinfektion scheint am wirkungsvollsten zu sein.
Der Wundverschluss sollte möglichst traumatisch mit gewebsverträglichen Nähten erfolgen.
Ob eine Drain-Platzierung die Wundinfektionen reduziert ist noch nicht abschließend geklärt, vorliegende Daten sprechen aber gegen die routinemäßige Verwendung.

Postoperativ
Postoperativ erfolgt eine sterile Wundabdeckung. Ob man das Pflaster früh (6 Stunden) oder spät (24-36 Stunden) nach der Op entfernt schein keinen Einfluss auf die Wundinfektionen zu haben.

Zusammenfassung:
Als wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der Wundinfektionen empfehlen wir im Gynäkologischen Operationszentrum, wenn immer möglich endoskopische, bzw. vaginale Operationen und die Vermeidung von Bauchschnitten,die Gabe eines geeigneten prophylaktischen Antibiotikums präoperativ und eine möglichst kurze OP-Dauer (<100 Minuten).

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