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Beidseitige Entfernung der Eileiter als Prophylaxe des Eierstockkrebses (Ovarialkarzinom)?

Krebserkrankungen der Eierstöcke (Ovarialkarzinom) treten jährlich mit ca. 9.900 neuerkrankten Frauen fast ebenso häufig auf wie Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers. Der Anteil an allen Krebsneuerkrankungen beträgt 4,8%. Aufgrund der eher schlechten Prognose des Eierstockkrebses ist die Sterblichkeitsrate mit 8,9 pro 100.000 Einwohnerinnen im Vergleich zu anderen gynäkologischen Krebserkrankungen mehr als doppelt so hoch.
Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren, d.h. ein Jahr unter dem mittleren Erkrankungsalter für Krebs insgesamt. Die Therapie der Wahl ist die Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke sowie die zytologische Untersuchung der Flüssigkeit im Bauchraum und eine radikale Lymphknotenentfernung. In allen Fällen – außer bei Frühstadien – ist eine adjuvante, d.h. unterstützende, Chemotherapie mit platinhaltiger Kombination indiziert. Eine organerhaltende Operation mit alleiniger Entfernung des betroffenen Eierstocks wird auch im Frühstadium nur ausnahmsweise vorgenommen, z.B. bei jungen Frauen mit bestehendem Kinderwunsch.

Ein Krebs der Eierstöcke (Ovarialkarzinom) wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, z.B. bei Bauchumfangsvermehrung durch Aszites (d.h. Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle). Da typische Frühsymptome fehlen, ist die Diagnose eines frühen Stadiums eher zufällig. Die derzeitigen Versuche zum Screening auf Eierstockkrebs sind bislang erfolglos geblieben und haben nur zu unnötigen Operationen mit chirurgischen Komplikationen geführt.

Die überzeugendste Theorie der epithelialen Eierstock-Karzinogenese deutet darauf hin, dass seröse, endometrioide und klare Zellkarzinome aus dem Eileiter und dem Endometrium und nicht direkt aus dem Eierstock abgeleitet sind. Dies steht im Gegensatz zu der bisherigen Ansicht der Entstehung von Eierstockkrebs.
Bei Frauen mit einer genetischen Prädisposition für Eierstockkrebs wurden Läsionen in den Eileitern gefunden, die den hochgradigen serösen Karzinomen oder serösen tubalen intraepithelialen Ovarialkarzinomen sehr ähnlich sind. Diese Läsionen sind vermutlich die primäre Quelle des Ovarialkarzinoms, die sekundär das Eierstock einbezieht.
Diese Forschungsergebnisse wirkt sich maßgeblich auf zwei Gruppen von Frauen aus:
1) jene mit hohem Risiko für erbliche Eierstockkrebs und
2) Personen mit Bevölkerungsrisiko (keine genetische Prädisposition für Eierstockkrebs), die einer routinemäßigen Beckenchirurgie unterzogen werden.

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass die beidseitige vorbeugende Eileiterentfernung (Prophylaktische Salpingektomie) bei Frauen mit normalem Bevölkerungsrisiko, die sich einer Routine-Operation unterziehen, vermindern kann. Durch die vorbeugende Salpingektomie bei Operationen wegen gutartiger Erkrankungen (z.B. Myome) zusätzlich zum primären chirurgischen Eingriff (z. B. Hysterektomie) kann das Risiko von Eierstockkrebs nach vorliegenden Daten reduziert werden. Randomisierte kontrollierte Studien wären jedoch erforderlich, um die Gültigkeit dieser Annahme zu unterstützen.
Diskutieren Sie mit dem Operateur, wie er die die potenziellen Vorteile der Entfernung der Eileiter während einer Gebärmutteroperation (Hysterektomie) beurteilt. Es handelt sich immerhin um einen zusätzlichem Eingriff, jedoch scheint die Funktion der Eierstöcke von der Salpingektomie zum Zeitpunkt der Hysterektomie nicht negativ betroffen zu sein.

ACGO 2013 

 

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