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HPV-DNA Nachweis – Bedeutung für die Früherkennung

Eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) ist die zentrale Ursache für Gebärmutterhalskrebs. Die meisten sexuell aktiven Frauen erwerben HPV-Infektion irgendwann in ihrem Leben. Die überwiegende Mehrheit dieser Infektionen ist vorübergehend, aber ein kleiner Anteil wird hartnäckig und führt schließlich zu Vorstufen bösartiger Zellveränderungen.
Durch die HPV-Impfung könnte die Sterblichkeit am Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) gesenkt, wie Erfahrungen aus Australien zeigen möglicherweise sogar eliminiert werden. In Deutschland ist die Impfbeteiligung erschreckend gering: Lediglich 31% der unter 15-Jährigen wurde geimpft und nur 43% der 17-Jährigen. Bedenkt man dass jährlich 4500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken und 1500 daran sterben sind das sehr schlechte Zahlen (Deutsche Krebsgesellschaft). Die mangelnde Kenntnis über die sexuelle Übertragbarkeit von HPV erschwert den breiten Einsatz der Impfung.

Deshalb bleibt ein regelmäßiges und effektives Gebärmutterhalskrebs-Screening (incl. HPV-Tests) die wichtigste Früherkennungsmaßnahme. Frauen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren haben Anspruch auf eine jährliche zytologische (Abstrich) Untersuchung. In jüngeren Jahren sind HPV-Infektionen häufig zu finden, verschwinden meist aber auch schnell wieder. Daher ist der HPV-Test erst ab dem 30. Lebensjahr empfohlen. Künftig wird Frauen ab dem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung – bestehend aus einem Test auf genitale Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV) und einer zytologischen Untersuchung – angeboten. Die HPV-Infektion und -Übertragung unter Paaren durch heterosexuelle Aktivität wurde in vielen Studien u.a. in der (HITCH) -Kohorten-Studie sorgfältig untersucht. Beim Sexualverkehr überträgt der HPV-infizierte Partner infizierte Zellen, freies Virus oder infiziertes Sperma in den weiblichen Genitaltrakt, ohne dass es zur Infektion der Frau kommt. Inwieweit dies für den HPV Test bei der Früerkennungsuntersuchung von Bedeutung ist, wurde in einer Kanadischen Studie, an der 494 heterosexuelle Paare zwischen 2005 und 2010 teilnahmen, untersucht.
Als Biomarker für den Nachweis männlicher HPV-DNA-Ablagerung wurde y-chromosomale DNA im weiblichen Genitalabstrich ebenfalls getestet. Bei Paaren, bei denen der letzte Geschlechtsverkehr 0-1 Tage vor dem Genitalabstrich erfolgt war, war ein HPV-Nachweis 26,5 % höher als bei denjenigen mit Geschlechtsverkehr mit einem Abstand von 8-14 Tagen. Bei Paaren ohne Kondombenutzung war die Übereinstimmung 22,6 % wahrscheinlicher. Insgesamt errechneten die Autoren, dass 14,1 % der positiven HPV-DNA-Nachweise lediglich Folge vaginalen Geschlechtsverkehrs innerhalb der letzten Wochen waren und somit kein Hinweis auf eine Infektion sind.

Es ist deshalb wichtig zu wissen, dass eine HPV-Testung kurz nach dem Verkehr zu falsch-positiven Ergebnissen führen kann. Ein einmalig positiver HPV-DNA-Nachweis könnte gerade bei sexuell aktiven Frauen durchaus auch auf eine HPV-DNA-Ablagerung des Partners hinweisen. Dann werden Kontrolluntersuchungen erforderlich. Leider führen falsch-positive HPV-DNA-Nachweise zu einer starken Verunsicherung der Frau bis hin zu Partnerschaftsproblemen.

Durch klinische Studien haben wir Erkenntnisse gewonnen, die unser Verständnis der Übertragbarkeit von HPV gefördert haben. Die nunmehr vorliegende Studie wirft bislang ungeklärte Fragen zur Interpretation von positiven vaginalen HPV-DNA-Abstrichen auf. Wie kann man falsch positive Befunde vermeiden? Man kann Frauen kaum bitten vor der Früherkennungsuntersuchung 8-14 Tage auf Geschlechtsverkehr zu verzichten oder Kondome zu benutzen. Aber man sollte den Zeitpunkt des letzten GVs erfragen und dokumentieren. Selbst damit könnte man das Problem nicht 100%ig vermeiden. Eine Hilfe bei der Vermeidung eines „Fehlalarms“ ist der parallel durchgeführte Abstrich, der nicht auf dem Virusnachweis, sondern auf Zellveränderungen als Folge einer Infektion mit HPV basiert. Aber beim HPV Nachweis ohne Infektionszeichen kann man Kontrolluntersuchungen nicht vermeiden. Das muss man den Frauen erklären.

Zusammenfasung:

  • Die Einführung des neuen Screenings ist für 2018 geplant. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bekannt.
  • Das neue Screening umfasst für Frauen von 20–35 Jahren weiterhin die jährliche Zytologie, ab 35 haben Patientinnen Anspruch auf eine Cotestung mittels Zytologie und HPV-Test alle drei Jahre.
  • Der übrige Inhalt der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (Anamnese, bimanuelle Tastuntersuchung, Inspektion und Palpation der Mammae beidseits) bleibt weiterhin unverändert 1 × pro Jahr bestehen.
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